Eine wahre Geschichte

Entweder oder 1 panorama - Entweder so wie ich es will oder gar nicht

 

Früher oder später wird jeder von uns auf jemanden treffen, der versucht, dir einen Haufen Arbeit zu geben, die du nicht machen willst. Oder versucht, dich zu kontrollieren. Was du dagegen tun kannst, findest du hier.

 

Das Beispiel eines Klienten der Teamleiter ist.

 

Dieser Teamleiter hat einen „Oben-Unten“, also hierarchisch denkenden Chef. Von einer Coachinghaltung ist bei dem Typ keine Spur in Sicht. Offiziell ist die Organisation agil aufgestellt.

„Entweder so wie ich es will, oder gar nicht!“ Das war ein Zitat des Chefs meines Klienten, das mir im Kopf hängen geblieben ist.

 

Lies selbst.

(Namen sind natürlich geändert)

 

Folge David.

 

David saß in seinem fensterlosen Büro und griff in die Chipstüte. An diesem Ort kann er sich am besten konzentrieren.

 

Er stand auf leckte sich die Chipsgewürze von den Fingern und lief im Büro auf und ab. „Wie kann ich dieses scheiß Problem nur lösen?“ - schoss ihm durch den Kopf. Er war unter Zeitdruck, weil sein Hauptprojekt kurz vor der Abgabe stand. Nur noch zwei Tage.

 

Das Letzte was er wollte war, gestört zu werden.

 

Er wurde unwirsch aus seinen Gedanken gerissen, als der Türgriff mit voller Kraft nach unten gedrückt wurde.

Es gibt nur einen Mann, der das so macht. Sein Chef Bob.

 

David‘s Magen zog sich sofort zusammen.

 

Bob fixierte David mit starrem Blick als er näherkam.

 

„Ich habe hier etwas Dringendes. Du wirst das zu deiner Hauptpriorität machen.

 

Unser größter Kunde ChanXen arbeitet an Wochenenden nicht. Zu Beginn jeder neuen Woche muss er deshalb einen halben Tag warten, bis sich unsere Maschine aufwärmt. Das ist ein No-Go für ihn. Er verliert so kostbare Fertigungszeit. Wir brauchen eine Tieftemperaturlösung für dieses Problem. Du musst das in Ordnung bringen – jetzt.“

 

Einen Schritt zurückweichend und den Augenkontakt meidend, fragte David.

„Warum ist das plötzlich ein Problem? Das wissen wir doch schon seit Jahren.“

 

„David – das kommt von ganz oben. Du weißt, was das bedeutet.“

 

Während er seine Schläfe kratzte und immer noch den Augenkontakt vermied, fuhr David fort. „Ich weiß, was das bedeutet, aber noch einmal, warum ist das ein Problem – jetzt?“

Mit einer strengen Körperhaltung und erhobener Stimme bellte Bob: "Mach es einfach.“

Stehend und mit stotternder Stimme antwortete David. „Bob –“, räusperte er sich. „J -Jeder Product Owner entscheidet selbst, w - was wichtig ist für sein Projekt. Nicht die Jungs da oben. Ich würde dir auch nicht sagen, was du in deinem Projekt als Produkt Owner tun sollst.“

 

Als David sich weigerte, den Augenkontakt zu unterbrechen, antwortete Bob mit rotem Gesicht beleidigend. „Schau. Es spielt keine Rolle, ob du als Product Owner denkst, dass es wichtig ist. Ich sage: Es muss getan werden.“

 

Bob schmiss die Bürotür mit einem lauten Knall zu, als er David's Büro verließ.

Am Tag danach sah ich wie David sich ins Fitnessstudio schleppte.

Manchmal trainieren wir gemeinsam. Es ist immer lustig. Heute sah er erschöpft aus.

 

Ich näherte mich ihm und fragte. „Hey. Wie geht´s?!“

 

David versuchte zu lächeln.

 

„Ich habe es kaum hierher geschafft, weil ich total müde bin.“

 

„Was ist los?“

 

„Es ist auf der Arbeit wiedermal ziemlich stressig. Und mein Chef nervt tierisch. Er macht mir mein Leben echt zur Hölle. Und jetzt habe ich plötzlich auch noch Schlafprobleme. Ich mache nachts kaum noch ein Auge zu. Manchmal frage ich mich, ob ich dort überhaupt noch arbeiten will.

 

Ich war wegen der Schlafprobleme auch schon beim Arzt und der sagte, dass meine Blutwerte schlecht seien. Das blöde ist, ich bin ein Stressesser. Jetzt habe ich es schriftlich. Ich habe in vier Wochen fünf Kilo zugenommen! Kuck mal – er hob das T-Shirt und klopfte sich auf seinen Bauch. Mein Arzt hat mir gesagt, dass mein Blutdruck zu hoch ist. Ich muss was ändern – schnell.“

 

David entschuldigte sich dafür, dass er mich mit seinen Problemen aus heiterem Himmel überschüttete.

 

„Es klingt, als wäre dein Chef echt liebenswert. Lass uns ein schnelles gemeinsames Training machen und danach beim Essen darüber reden. Ok!??!“

 

„Ok, aber für mich nur Salat.“

 

Wir saßen kaum im Restaurant, da begann David sofort wieder, über seinen Chef zu schimpfen.

 

„Es gibt nur seinen Weg oder keinen. Er akzeptiert die neue Struktur einfach nicht. Er versucht, jeden meiner Schritte zu kontrollieren, mir Arbeit zu geben und mich mit Schrott zu beladen.

Es ist scheiße. Ich kann nicht mehr gut schlafen, weil ich meinen Kopf nicht mehr ausschalten kann. Und das Problem ist, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, habe ich weder die Zeit noch die Energie, mit meinen Kindern zu spielen.“

 

„Das klingt grauenhaft. Also, was ist es, das dich am meisten aufregt? Erzähl mir, was passiert ist.“

 

Als er fertig war, mir von dem gestrigen Treffen mit seinem Chef zu erzählen, war er wieder im Zorn.

 

„Ich habe das Gefühl, dass er mich nur kontrollieren und verletzen will. Er will mir zeigen, wer der wahre Chef ist. Ich weiß besser, was für mein Projekt wichtig ist. Er ist so altmodisch. Es fühlt sich wie 1999 an.“

 

„Wie fühlst du dich dabei, David?“

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