Eine wahre Geschichte - Teil 2

Entweder oder 1 panorama - Entweder so wie ich es will oder gar nicht 2

„Er manipuliert, nein dominiert mich. Es wird meinem Projekt nicht weiterhelfen. Sein Verhalten wird die wesentlichen Dinge bremsen.“

 

„David – ich frage nach dir. Wie fühlst du dich dabei?“

 

David: „Was denkst du denn? Es fühlte sich unangenehm an!“

 

„Wie würdest du dich stattdessen fühlen wollen? Bzw. wann wäre dieses Gespräch ein Erfolg für dich?“

 

Erschöpft sagte David: „Ich möchte zumindest nicht so wütend sein, dass ich nicht schlafen kann. Und nicht so eingeschüchtert, stattdessen selbstbewusster. Weißt du, er ließ die Tür offen, als er mit mir sprach. Jeder konnte hören, wie er mit mir gesprochen hat ...“

 

 

„Weißt du, David, es klingt für mich so, als würdest du dein Aufgabengebiet in der Firma im Griff haben. Du hast mir ja auch von deinen Patenten erzählt. Ich frage mich, ob sich dein Chef, der weiß, dass jeder dich für einen schlauen Kopf hält, sich deswegen vielleicht auch unwohl fühlt?“

 

Er kratzte sich an der Stirn und sagte. „Ich weiß es nicht. Ich mag einfach, was ich mache. Es macht Spaß.“

 

„Und wenn du deinem Chef als Product Owner begegnest der weiß wovon er spricht, wie fühlt sich das für ihn an?“

 

Er saß eine Minute lang da und starrte an die Decke. Während er seinen Kopf zurückdrehte, sagte David:

„Er ist wahrscheinlich mindestens so erschöpft wie ich. Aber es ist seine Schuld. Er ist ein echter Penner. Er könnte mich zuerst fragen, ob ich Zeit habe, es zu tun, anstatt mich zu drängen.“

 

„Die Art und Weise, wie du auf deinen Boss reagierst. Hilft es?“

 

Etwas verärgert antwortete er:

„Natürlich nicht! Deshalb bin ich gefühlt kurz vor einem Burn-out. Ich bin nicht das Problem. Mein Boss ist es. Wenn ich es vermeiden könnte, würde ich es sofort tun.“

 

„Was denkst du, was in seinem Kopf vor sich geht, wenn das passiert? Glaubst du, dein Boss wacht morgens auf und sagt sich: Heute nerve ich David?!“

 

David lachte: „Na ja, das ist schwer zu glauben.“

 

„Jedes Mal, wenn er in dein Büro kommt, weiß dein Chef, dass du ihm sagen wirst, dass er auf die eine oder andere Weise Unrecht hat. Du belehrst ihn ja auch regelrecht. Er weiß, dass du eine andere Meinung hast. Und wegen der neuen Struktur ist er offiziell nicht mehr in der Lage, dir Befehle zu geben. Das kotzt ihn an. Der fühlt sich vielleicht sogar wehrlos. Glaubst du, das gefällt ihm?“

 

Nach einer Schweigeminute fuhr David fort:

„Wahrscheinlich nicht. Und ja. Er denkt und handelt immer noch in der alten Struktur.“

 

„Also lass uns herausfinden, wie du das ändern kannst. Lass uns versuchen, einen Weg zu finden, wie du mit deinem Chef zusammenarbeiten kannst. O.k?“

 

David nickte.

 

„Was würde passieren, wenn du etwas Anderes machst? Anstatt ihn zu belehren?“

 

„Wie meinst du das?“

 

„Was wäre, wenn du ihm nicht widersprechen würdest, sondern ihm eine offene Frage stellen würdest?

 

Keine Frage, wo er sich entscheiden muss. Und keine Beleidigung, die als Frage verkleidet ist. Probier eine Frage, die ihn auf eine nette Art und Weise öffnet. Was möchtest du von ihm wissen? Ich hab ja keine Ahnung von deiner Materie, zum Beispiel: ,Bob, was sind deine Kriterien, um zu sagen, dass die Niedertemperatur-Lösung ein Erfolg ist?‘

 

Ich konnte ein Blitzen in David‘s Augen sehen.

 

„Es würde mich interessieren, ob er die Vorbereitungen bereits abgeschlossen hat. Normalerweise müssen wir auf seine Zeichnungen warten, um zu starten. Das sind seine Hausaufgaben.“

 

„Was, wenn du sagst, dass du zustimmst, dass es für das Unternehmen wichtig ist, besonders für einen so wichtigen Kunden. Du bist bereit zu helfen. Und da du nur einen Schuss hast, um das zu beheben, willst du die Dinge nicht vermasseln. Das ist das Ziel von euch beiden.

 

Erinnere ihn an eure Verantwortung als Führungskräfte dem Unternehmen gegenüber. Und es lenkt eure beiden Egos voneinander ab. Das heißt, bevor du dich auf seine Forderung einlässt, fragst du ihn auf nette Weise nach mehr Einzelheiten. Denn das ist die Grundlage für deine Arbeit.

 

An dieser Stelle musst du es mit deinen Worten füllen.“

 

David formulierte alle möglichen Fragen an Bob und fing an laut über die Auswirkungen, bzw. über mögliche Reaktionen nachzudenken.

 

Es folge ein kleines Rollenspiel in dem David an seinen Formulierungen feilte.

 

Fühlt sich das jetzt für dich anders an?“ fragte ich ihn.

 

 „Ja. Ganz anders. Es fühlt sich eher wie ein sachliches Gespräch zwischen Kollegen an.“ David‘s Gesicht wurde sanfter und die ursprüngliche Spannung ließ nach.

 

Nickend und lächelnd fragte ich ihn: „Willst du das das nächste Mal versuchen?“

 

Nach einer Sekunde lächelte er zurück.

 

„Er wird wahrscheinlich verblüfft sein, denn er erwartet, dass ich widerspreche.“

 

Es dauerte nicht lange, bis David die Gelegenheit hatte, es zu versuchen. Schon am nächsten Tag kam sein Chef vorbei, um den Fortschritt zu überprüfen.

 

Sofort begann sein Chef in einem scharfen Ton nach dem Fortschritt zu fragen.

„David – was hast du für mich?“

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