Ein Survival Guide für Mitarbeitergespräche

Titel ger - Ein Survival Guide für Mitarbeitergespräche

Lesezeit: Sinnvoll investierte 15 Minuten.

Wenn deine Mitarbeitergespräche oft in einem Donnerwetter enden, probiere das mal ...

Ein praktischer Ratgeber für Führungskräfte.

Vielleicht kennst du solche Situationen.

Mike steht auf und faucht dich mit einem bissigen Ton an. „Wenn du das so willst, … duu bist der Chef!“ und verlässt mit hochrotem Kopf das Besprechungszimmer.

Glaubst du, Mike geht mit Schmetterlingen im Bauch nach Hause und freut sich schon auf euer nächstes Gespräch? Dein Bauchgefühl ist richtig, das lief richtig scheiße. Du hast im Moment keine Chance das geradezurücken.  

Lass uns mal Klartext reden.

  • Warum laufen Mitarbeitergespräche schief?
  • Warum machen sie dich so nervös?
  • Was kann man sehr schnell verbessern?
  • Was denkt mein Mitarbeiter wirklich über mich?

Die Antworten auf die oberen Fragen und wie du sie in Profitänzermanier meisterst, darum geht es hier.

 

Am Ende bekommst du eine Checkliste für dein Mitarbeitergespräch inklusive Formulierungsvorschlägen für die verschiedenen Phasen.

Tauchen wir ein, damit dir das nächste Mitarbeitergespräch so leicht fällt, wie einem Baby den Schnuller auszuspucken.

Drei Schritte zum Erfolg

1. Dein blinder Fleck - mach dich kugelsicher
Wenn du deine blinden Flecken erkennst, hast du die Kontrolle über das Gespräch. Lass uns daher zuerst bei dir anfangen. 

2. Das Date mit deinem Mitarbeiter
Anschließend sprechen wir über das eigentliche Gespräch. Welche Methoden du anwenden kannst und wie der Ablauf sein sollte.

3. Troubleshooting Survival Guide
Falls es nicht gleich perfekt läuft und was du besser machen kannst.

1. Dein blinder Fleck - mach dich kugelsicher

Emotionale Intelligenz heißt für mich, dass du mit Emotionen intelligent umgehen kannst - mit deinen eigenen und mit denen anderer.

Lass uns bei dir anfangen. Vielleicht spukt diese Frage unbewusst in deinem Kopf herum.  „Warum machen mich Mitarbeitergespräche nervös?“ Nein, lass mich präziser werden. Warum machen dich Mitarbeitergespräche nervös, bei denen du etwas Unangenehmes ansprechen musst?

Das Hochregal mit Szenen ist voll. Das Spektrum reicht vom Horrorfilm, bis zum Psychothriller. Von Abmahnung, Leistungsverweigerung, über keine Lohnerhöhungen bis hin zu Mobbing. Oder jemandem sagen zu müssen, dass er stinkt.

Nicht jedes Mitarbeitergespräch ist wie der Film La La Land. Aber du kannst sehr viel dafür tun, dass du selbst die schwierigsten Themen locker besprechen kannst. 

Führung ist kein göttliches Talent

Jeder kann sein momentanes Führungsverhalten reflektieren und verändern.

Unreale Ängste - wie du diese lästige Fliege loswirst

Der erste Grund, warum das Mitarbeitergespräch vielen Führungskräften schwerfällt, ist simpel. Sie haben Angst. Genauer gesagt Angst die Kontrolle zu verlieren. Diese Angst ist nicht real, auch wenn sie sich so anfühlt. Der Löwe der mit gefletschten Zähnen vor dir steht und dich als Snack verspeisen will ist real. Unreale Ängste beherrschen unseren Alltag. Unser Gehirn trickst uns hier schon seit Tausenden von Jahren aus. Das muss doch mal aufhören. 

Der zweite Grund warum dir „offizielle“ Mitarbeitergespräche schwerfallen ist, dass dir die Routine fehlt.

Du sprichst doch jeden Tag mit deinen Mitarbeitern über alles Mögliche. Richtig? In der Regel laufen diese Gespräche so unspektakulär ab, wie der morgendliche Gang aufs Klo. Wenn du damit fertig bist, hast du das erste erleichternde Gefühl am Morgen. Warum? Weil du ein Experte darin bist und weißt, wie es geht. Du hast es  gemeistert und dein Gehirn hat entschieden, dass es langweilig ist und hat es automatisiert. Du machst es mehrmals Tag, ohne darüber nachzudenken.

Wie kannst du in etwas besser werden, das du nicht so häufig machst?

Das ist einfach. Entspann dich.

Versuche nicht alles auf einmal zu wollen.

Dein blinder Fleck.

Dein wichtigster und erste Schritt ist, dir bewusst zu werden, was du machst. Was meine ich damit.

  • Wie wirkt dein Verhalten?
  • Wo nützt es, wo nicht?
  • Was kann ich besser machen?

Das ist immer der größte AHA-Moment für meine Klienten.

Nachher sprechen wir darüber, was du praktisch tust - in der Hitze des Gefechts - denn dann schaltest du unterbewusst auf Autopilot. Wenn du es schaffst, dich dann  bewusst selbst zu beobachten, bekommst du das Mitarbeitergespräch so locker hin.

Weil mit Bewusstsein (deine) Kontrolle (zurück)kommt.

Hier ein Beispiel um es anschaulicher zu machen was ich mit Bewusstsein meine.

Kennst du das?

Du bist nach einem wunderbaren Tag bei der Arbeit in der Stadt und parkst dein Auto auf einem kostenpflichtigen Parkplatz. Bezahlen für den Parkschein? Nein, heute nicht. Du denkst dir: "Ich bin sowieso gleich wieder da." Und sprintest graziös in den Laden um die Ecke. Zwanzig Minuten später wackelst du voll beladen zurück (die Schlange war länger als erwartet).

Du weißt, was gleich kommt.

Du biegst um die Ecke und da steht sie. Die liebe Politesse, die dir gerade ein Ticket verpasst. Du pampst sie an „Ich stand doch nur 2 Minuten da!“ Hilft nix, das Ticket hast du – dir verdient. „Trotzdem ist sie ne blöde Kuh!“ Denkst du dir vielleicht.

Setzen wir die Professorenbrille auf und schauen genauer hin. Du siehst die Politesse und denkst dir. "Fuck!" Eine Millisekunde später schießt dir "blöde Kuh!!" durch den Kopf. Schon bist du stinksauer und auf Autopilot ohne es zu merken.

Du sitzt auf der Rakete deiner Gefühle und bist Passagier ohne jegliche Kontrolle. Das Ding zischt los und verletzt alles in ihrem Einschlagbereich.

Jetzt spulen wir zurück und geben dir eine LSD-Pille.

Die guten aus den 70er-Jahren und warten was als nächstes passiert.

Wahrscheinlich eher das, wenn du die Politesse siehst.

„Fuuuuck, erwischt. Selbst schuld, die gute Frau macht auch nur ihren Job. Und warum ist eigentlich alles so bunt? Ohhhh wie schöööön.“

Na? Wie war das? Anders? Ich glaube, wir sind uns auch hier einig. Gefühlslage? Chillig und entspannt. Mit LSD im Kopf ist das einfach, oder? Aber auf Dauer geht auch das schief. „Drogen sind ja keine Lösung.“ Um die Mütter und Väter dieser Welt zu zitieren.

Du hast bald besseres auf Lager.

 

Zurück zum Mitarbeitergespräch

  • Welches Bild hast du bezüglich deiner Mitarbeiter im Kopf (vor allem die, die du nicht leiden kannst)?
  • Wie verändert es sich, wenn du bspw. ein Kritikgespräch mit diesem Mitarbeiter führen musst?

Wenn das Bild eher so ist, dass du deinen Mitarbeiter als Deppen/ Zuarbeiter/ ... siehst, und sie gefälligst das tun sollen, was du willst, wird das Mitarbeitergespräch beim ersten Problem wieder blutig. Deine Gedanken deinen Mitarbeitern gegenüber spielen eine entscheidende Rolle. Du erinnerst dich? LSD? Woher dieses Bild kommt, ist ganz individuell und vielschichtig und nichts was man auf diesem Weg besprechen sollte.  

Eine Frage will ich dir trotzdem mitgeben.

Wird es besser, wenn du so weitermachst?

Wichtig ist mir für den Moment, dass du dir dem Film in deinem Kopf bewusstwirst. Er beeinflusst dein Verhalten massiv. Mit einem Elefanten auf deinem Fuß hast du auch nur wenig Geduld in Ruhe ein Bild zu malen. Mir ging es auch so. 

Lass uns kurz zusammenfassen

Du weißt, warum es so schwerfällt ein Mitarbeitergespräch zu führen

  • Angst die Kontrolle zu verlieren
  • Fehlende Übung
  • Und, dass du mit einer entspannten Einstellung eine andere Grundlage fürs Gespräch schaffen kannst.
  • Der Blockbuster in deinem Kopf beeinflusst das Ergebnis.

 

Fest steht. Jeder kann kritische Mitarbeitergespräche führen.

Jetzt machen wir aus dem hier.

Fight ger  - Ein Survival Guide für Mitarbeitergespräche

Das hier.

Cool ger  - Ein Survival Guide für Mitarbeitergespräche

Angenommen du hast ein schlechtes Bild von deinem Mitarbeiter, oder kannst ihn nicht leiden.

Dafür solltest du dich nicht schämen. Das ist menschlich und normal. Ein paar Verrückte nennen das neudeutsch Gefühle.  Ein schlechtes Gewissen ist fehl am Platz.

Da du bis hierher gelesen hast, bist du fest entschlossen dich verändern. Die gute Nachricht ist - du wirst. Die Schlechte? Die gibt es nicht. Offenheit reicht völlig aus.

 

Wir gehen das in zwei Schritten an.

Wenn das nicht dein Problem ist, mach mit einem Klick direkt hier weiter.

Nummer eins: Dein Kopfkino

Ich kann mit dir auf diesem Weg kein Coaching durchführen, aber wir können deine Einstellung dem Mitarbeiter gegenüber optimieren.

Angenommen du hältst deinen Mitarbeiter für einen Vollpfosten. Selbst am größten Dödel findet man etwas, für das du ihn wertschätzen kannst. Was ist es, dass du an ihm bzw. ihr wertschätzen kannst? Das fällt einem für die meisten Mitarbeiter erstaunlich leicht. Was aber, wenn der Mitarbeiter zum Himmel stinkt? Mir fiel da jedenfalls erst mal nichts ein.

Dann habe ich Folgendes gemacht.

Nehmen wir an, er stinkt so sehr, dass selbst ein Stinktier eifersüchtig wäre. Vielleicht, weil er nicht duscht. Du kannst ihn dafür respektieren, dass er die Ressource Wasser schont und der Natur etwas Gutes tut.

Prinzip verstanden?

Nummer zwei. Dein Verständnis deiner Rolle

Das ist von entscheidender Bedeutung.

Wenn du das Folgende nicht beherzigst, kannst du dir das Weiterlesen sparen. Das Wichtigste ist, dass du jetzt schonungslos ehrlich zu dir selbst bist. Je besser dir das gelingt, umso besser gelingt dir der nächste Schritt. 

  • Wie siehst du dich selbst gegenüber deinen Mitarbeitern?
  • Bist du derjenige, der es am besten, schnellsten, (füge hier ein Superlativ deiner Wahl ein) kann?
  • Du weißt schon. Nur du weißt wie es wirklich geht? Deshalb bist du ja Chef! Richtig?!

Nochmal. Sei ehrlich, so ehrlich wie ein 4-jähriges Kind.

Angenommen du hältst dich für den Besten … (jeder tut das von Zeit zu Zeit …). Was sagst du zu dir selbst?

Unter uns gesprochen. Mir ist es egal, wie du dich siehst, weil es keine keine Rolle für mich spielt. Es spielt nur eine Rolle für dich.

Deine Mitarbeiter spüren das nämlich. Du stellst dich über sie.

Ja, du hast Recht. Du stehst hierarchisch über ihnen. Wenn du das jemanden spüren lässt, was glaubst du, wie sich der andere dann fühlt? Übrigens ist es in agilen Teams genauso, dort haben wir eine informelle Hierarchie. Das ist ein noch größeres Durcheinander. Darauf werde ich in einem anderen Beitrag eingehen.

Erinnere dich an die Zeiten, als du in der vierten Klasse warst.

Wenn du einen Polizisten getroffen hast. War das dein bester Freund? Ich hatte jedenfalls immer gehörig die Hosen voll, wenn der Typ vor mir stand.

Und dein Vertrauenslehrer? Ganz andere Geschichte, richtig? Der war cool, mit dem konnte man alles besprechen. Auch der stand über dir, dem hast du dich aber anvertraut.

Genau das solltest du mit deinen Mitarbeitern auch machen. Du bist die Führungskraft. Deine Position ist bereits klar. Diese Position auch noch rauszuhängen, ist nur ein Verstärker deiner eigenen Unsicherheit. Und sei dir sicher - nach außen für alle sichtbar.

Eine solche Einstellung arbeitet unterbewusst gegen dich. Das ist das Perverse an dem Spiel. 

Jetzt haben wir viel über dich gesprochen. Nun zum eigentlichen Thema.

2. Das Date mit deinem Mitarbeiter

Das Mitarbeitergespräch ist deine private Zeit mit deinem Mitarbeiter. Das ist etwas Besonderes für deinen Mitarbeiter. In der Regel treffen sich Mitarbeiter und Chef nur zwei Mal im Jahr so intim. Das ist die Zeit, in der du als Führungskraft glänzen kannst. Die meisten Führungskräfte nutzen diese besondere Chance leider überhaupt nicht. Dabei sind das low-hanging-fruits wie man so schön sagt.

Hier die versprochene Checkliste

Lies sie und dann lies weiter.

  • In der Einladung das Thema nennen.
  • Guten Draht aufbauen
  • Worum geht es heute?
  • Was ist die Absicht dieses Gesprächs?
  • Deine Wahrnehmung
  • Mitarbeiterperspektive
  • Interesse an einer Lösung?
  • Wo stimmen wir überein?
  • Was machen wir daraus?
  • Worauf verständigen wir uns?

 

Die Liste oben klingt ziemlich logisch. Richtig?

Haha. Ja, das dachte ich mir auch, als ich sie das erste Mal sah. Weit gefehlt. Die wird dir so nicht viel bringen. Ist nämlich blanke Theorie. Lass uns deshalb auf die fiesen Stolpersteine dieser Checkliste eingehen und über das sprechen, was man gerne mal unter den Tisch fallen lässt. Nämlich wie du das Ganze im echten Leben praktisch angehst.

 

Wenn ich zurückdenke, sehe ich mich immer noch dasitzen. Nass wie frisch aus dem Swimmingpool. Nur war ich in den nicht mit Absicht reingehechtet, sondern fies und in hohem Bogen reingefallen. Ich war mehr der begossene Pudel, der sich danach erst mal kräftig schüttelte.

Und mir war heiß, ich mein so richtig! Mein Puls hämmerte mir von unten ständig gegen das Kinn als wollte Mike Tyson sichergehen, dass er mich auch wirklich ausknockt hat. Und mein Herz war das wild gewordene Alien in meinem Brustkorb, dass endlich die frische Luft genießen wollte. Und Mike Manieren beibringen.

Kennst du auch? Ich bin froh, dass du das auch gleich hinter dir hast.

Lass uns schnell weitermachen.

Beim Boxen (und im Leben) spielt die Grundeinstellung eine wichtige Rolle. Wenn du das Mitarbeitergespräch wie einen Boxkampf siehst, geht’s in der Regel schief. So war's bei mir am Anfang. Mein unsicheres Ego kam voll zum Vorschein.  Meine Einstellung war eher so. "Ich Chef, du nichts."

Außer erhöhten Puls und viel Blindleistung war da nichts zu holen. Dann änderte ich etwas. Erst als ich wie Bruce Lee leichtfüßig anfing zu tänzeln und mich eher wie „Be like water“verhielt, machte ich Fortschritte.

Schau dir das kurze Video an, dann lies weiter.

Ich warte so lange.

cb no thumbnail - Ein Survival Guide für Mitarbeitergespräche

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

„Be water my friend.“

Um den guten Bruce zu zitieren.

Deine Grundeinstellung ist während dem gesamten Gespräch entspannt

Kritik am Verhalten, nicht an der Person steht im Vordergrund. Anders ausgedrückt. „Hart“ in der Sache, „weich“ zum Menschen. So oder so ähnlich hast du es vielleicht schon mal gehört. Du bist der Moderator, nicht der Problemlöser. Diesem mentalen Abstand musst du dir immer bewusst sein. Schaffst du das nicht, hat dein Ego ein echtes Problem. Das Ego Ding ist so wichtig, wie deine bessere Hälfte mit dem  richtigen Namen anzusprechen.

Los gehts.

 

In der Einladung das Thema nennen

Um es vorweg zu sagen. Hier gehen die Meinungen am weitesten auseinander. Ich sehe das so. Nichts ist schlimmer für einen Mitarbeiter, wenn er nicht weiß, um was es geht. Wenn du das mit Absicht machst, kann ich nur den Kopf schütteln. Schreib rein um was es geht, neutral formuliert.

Dein Mitarbeiter riecht morgens schon wie, wenn sein Lieblingsduschgel After-Schweiß heißt? Schreib rein. Erscheinungsbild und Außenwirkung, Dresscode, Zusammenarbeit.

Macht ihn das nervös? Möglich. Schlimmer ist, wenn du nur reinschreibst. Rücksprache. Das wäre so, als wenn dir deine bessere Hälfte sagt. „Lass uns heute Abend reden.“ Wenn du hingegen reinschreibst Zusammenarbeit, weiß er grob, um was es geht.

Guten Draht aufbauen

Wie würdest du das machen? Denk kurz darüber nach, bevor du weiterliest. Vielleicht so. Mit künstlichem Lächeln: „Hallo Mike. Und?! Wie geht’s?“ Was glaubst du, was Mike sagt? „GUT!“ Mike ist anschließend wieder stumm wie ein Fisch. Schon ist der Ball wieder in deinem Feld. Der Großteil der Führungskräfte fängt so an. Übrigens, du weißt doch schon wie es ihm geht, weil du ihm morgens die gleiche Frage gestellt hast. Dann nochmal zu fragen, macht dich schwächer, nicht stärker. 

Hier eine poliertere Frage, die gleich mehrere innere Grenzen und Barrieren niederschmilzt.

Sag stattdessen.

"Hallo Mike. Was beschäftigt dich / zurzeit / gerade / im Moment / die letzten Wochen?"

Damit zeigst du, dass dir dein Mitarbeiter wichtig ist. Du erfährst wichtige Hintergründe wie es ihm gerade geht. Mit einem blanken „Wie geht’s?“ erfährst du das nicht.

Die Antwort „GUT“ ist so tief in unser Hirn eingemeißelt, dass man dem Autopiloten nicht entkommen kann. Und, wenn dir dein Mitarbeiter nur sagt. „Nix.“ Oder. „Um was es heute hier geht.“ Dann freu dich, lächle und nimm das als perfekte Überleitung zum nächsten Punkt.

Du musst nicht wie im Grundgesetz verankert 2 Minuten und 23 Sekunden Small Talk machen, nur weil das in fast jedem Ratgeber steht. Gefakter Small Talk ist wie Analog-Käse. Schmeckt niemandem und schlägt auf Dauer auf den Magen.

 

Thema: Um was geht es heute?

Sag ihm, um was es heute geht. Zurück zum Stinker Beispiel. Sag ihm, dass du dich gerne über sein Erscheinungsbild mit ihm unterhalten möchtest. Sag nicht: „Mike, ich möchte mich über deinen üblen Körpergeruch unterhalten.“ Das kommt noch. Dafür ist es jetzt noch zu früh.

Wenn du dich jetzt fragst. „Micha, wie soll ich das denn sonst sagen?“ Ich kann dich beruhigen. Ich hatte auch keine Ahnung. Dann habe ich so was wie das hier gesagt.  

„Ich möchte mich gerne mit dir über dein Erscheinungsbild und Außenwirkung unterhalten. Dazu möchte ich dir gerne eine Rückmeldung geben? Was mir aufgefallen ist. Anschließend möchte ich gerne deine Sichtweise dazu hören. Ist das okay für dich?“

Damit fragst du um Erlaubnis. Wenn er nein sagt, musst du erst verstehen, warum das so ist. Vorher kannst du jedenfalls nicht weitermachen.

Wenn ein Konflikt das Thema ist, dann sag das. „Ich möchte mich gerne mit dir, über unser Verhältnis unterhalten. Wie ich es wahrnehme und wie du es wahrnimmst. Und was wir tun können. OK?“

Dann schilderst du ihm, was dir aufgefallen ist. Und zwar sachlich. „ … das ist meine Wahrnehmung.“

Erklär ihm, was dir aufgefallen ist und wie das auf dich wirkt. Sag nicht. „Du stinkst.“ Besser. „Mir ist ein sehr auffälliger Knoblauchgeruch aufgefallen, wenn du morgens ins Büro kommst.“

Dann fragst du ihn. „Wie siehst du das?“ Jetzt lass deinen Mitarbeiter kommen und es aus seiner Sicht schildern. Ja, glaub mir, es ist schwer, auf eine Antwort zu warten. Aber Warte - halte es aus. Sag nichts mehr.

Mitarbeiterperspektive

Dein Mitarbeiter legt los. Dein Job ist jetzt, wie dieser Typ hier zuzuhören.

Dude - Ein Survival Guide für Mitarbeitergespräche

Beantworte dir still und heimlich folgende Fragen.

  • Wie geht es ihm?
  • Was sagt er inhaltlich?
  • Versteht er das Problem?
  • Hat er es richtig verstanden?
  • Was davon kannst du wertschätzen? 
  • Und vor allem. Was löst das in dir aus? Du erinnerst dich?

Ich kann das nicht genug betonen.

Wenn sich dein Mitarbeiter öffnet, zeig Verständnis und würdige und wertschätze ihn für etwas das du wirklich wertschätzen kannst. Wie sagst du das zu jemandem, wenn du etwas aufrichtig toll findest?

„Ich finde es klasse, dass du ... eine Überzeugung hast und xyz machst.“ Punkt! Still sein. Nichts weiter sagen. Lass das erst mal wirken. Das Warten und die Ruhe musst du jetzt aushalten. Lass deinen Mitarbeiter zuerst reden. Hör zu. Er hat sicher mehr zu sagen.

Anschließend machst du entspannt weiter. „Jetzt gibt es immer zwei Seiten der Medaille. Das mag sich jetzt vielleicht auch etwas unangenehm anfühlen. Willst du dich darauf einlassen?“ Warten, auf das JA.

Dann erklärst du wie diese eine Sache auf dich wirkt. „... ich finde das unangenehm.“

Und schließt ab mit: „Kannst du das nachvollziehen?“ Warten!

Damit startest du einen Reflexionsprozess und dein Mitarbeiter hat das Gefühl, dass du ihm nichts tust.

Dein Mitarbeiter muss so in den Spiegel schauen. Dadurch steigt sein sogenanntes Problemverständnis. Dann wird er irgendwann etwas dazu sagen. Dein Job ist jetzt nur, verständnisvoll zu warten.

„Mir ist wichtig, dass du nachvollziehen kannst, dass dein Verhalten auch Nebenwirkungen hat.“ Das Wort Nebenwirkungen funktioniert deshalb, weil den Beipackzettel von Medikamenten jeder kennt. Medikamente helfen in der Regel mehr, als sie schaden. Die Nebenwirkungen will keiner, sind aber dennoch da. Der Nebeneffekt ist ein Effekt, mit dem man gar nicht rechnet. Das entlastet deinen Mitarbeiter. Er steht so auch nicht am Pranger.

Anschließend erkläre ihm, was dieser Nebeneffekt noch für eine Wirkung hat.

„Dieser Effekt stört Menschen/ Kunden/ Kollegen, die für uns beide wichtig sind. Wir sind auf die auch angewiesen.“ Wir haben ihnen ggü. eine Verantwortung bzw. Verantwortung der Firma ggü. usw.

„Ich kann mir vorstellen, dass du dich jetzt vielleicht ein wenig in der Zwickmühle fühlst und das versteh ich auch.“ Dein Mitarbeiter wird dazu wahrscheinlich erst mal nichts sagen. Halte diese Ruhe aus. Das ist emotionale Intelligenz.

Interesse an einer Lösung?

Da du nicht Rambo bist, sondern ein edler Jedi Ritter gehst du jetzt in den Lösungsmodus und fragst deinen Mitarbeiter. „Was kannst du anbieten, um diese Nebenwirkungen abzustellen? Und wie kann ich dich unterstützen? Hast du einen Wunsch?"“

Wenn dein Mitarbeiter schweigend versauert, schaltest du den Führungsmodus ein und sagst so etwas: „Ich sage dir, was ich von dir erwarte.“ Dieses Mal mit einem praktischen Beispiel, was du in seiner Situation tun würdest. Du reichst so deinem Mitarbeiter eine unterstützende Hand. Dann formulierst du wertschätzend deine Wunschlösung und beziehst dich auf eure Verantwortung der Firma/ Kunden/ anderen Teamkollegen gegenüber.

Wenn du nicht weißt, wie, keine Panik. Lies einfach weiter und halte nach dem Wort SMART Ausschau.

Wo stimmen wir überein?

Wenn er hier Einsicht zeigt, ist das wunderbar. Wenn nicht, hat er noch kein Problembewusstsein. Frag, was er noch nicht verstanden hat? Kann er es dann annehmen, mache einen Vorschlag. Gut. Wenn nicht, frag ihn was er stattdessen anbietet. Jetzt beginnt das „Verhandeln“. Wichtig ist hier, dass du weißt, womit du zufrieden bist. Ist das der Fall, fasse zusammen auf was ihr euch geeinigt habt.

Worauf verständigen wir uns?

S - Sei konkret - was genau wird dein Mitarbeiter ändern? Sag es. Morgens duschen. Iss kein Knoblauch im Büro.

M - Messbar - wann weißt du, dass es erreicht ist? Das ist einfach, wenn du den ersten Punkt richtig definierst.

A - Aktivierend - was ist für ihn drin? Warum zum Teufel sollte er sich ändern? Wenn der Stinker nie zu einer After-Work-Party eingeladen wurde, weil er ... - du weißt, was ich meine - dann könntest du ihm zum Beispiel anbieten da in Zukunft mitzugehen.

R - Realistisch - Schritt für Schritt. Verlange nicht zu viel. Es muss erreichbar sein.

T – Terminiert - Setzte einen Termin fest - wann ist D-Day?

Wenn du es noch genauer wissen willst - hier der Wikipedia-Link.

Abschließend – danke ihm für das tolle Gespräch und für die Offenheit, die er gezeigt hat.

Mach das genau so, dann hast du einen rockstarmäßigen Auftritt hingelegt.

Wenn nicht - lies weiter.

Wie du es heldenhaft annimmst.

3. Trouble Shooting Guide

Wenn es (wieder) schiefgeht

Das passierte den Besten. Entspann dich.

Wie du weißt, du bist auch nur ein Mensch. Ein Mensch, der fest entschlossen ist, sich im Griff zu haben. Beruhig dich und frag dich anschließend ehrlich Folgendes.

- Wo bin ich auf Autopilot schlaf Gewandelt?

- Wo haben meine Emotionen mein denkendes Gehirn entführt?

- Wo war ich so objektiv wie ein Betrunkener?

- Wo war ich einfühlsam wie ein Fels in der Brandung?

Geh eine Runde spazieren und starte einen DJ-Remix in deinem Kopf.

In der Regel ist es einer dieser vier Punkte, die dich von deiner guten Absicht ablenken.

Das war's.

Du hast es geschafft! Herzlichen Glückwunsch!

Ich freue mich sehr, dass du bis hierher gelesen hast und freue mich über jedes Feedback.

Wenn dir gefallen hat, was du in diesem Beitrag gefunden hast, schicke diesen Link an drei deiner Freunde. Ich bin mir sicher, sie werden dir dafür danken.

Wenn du mehr klar verständliche Tipps und Tricks haben möchtest, um dein Leben als Führungskraft einfacher machen, klicke auf den orangenen Button.

Eine letzte Bitte.

Dieser Bericht ist handgefertigt und mit viel Hingabe geschrieben. Ich habe ihn ein paar Mal Korrektur gelesen. Trotzdem können noch Tippfehlern enthalten sein. Wenn du einen Grammatikfehler findest, lasse es mich bitte wissen. Ich schätze das sehr und sende dir als Dankeschön eine Tafel Schokolade. Ja wirklich, es ist egal, wo auf diesem Planeten du lebst.

Aufrufe: 250